Die Angst vor der Digitalisierung - Gängige Vorurteile, die sich nie bestätigt haben

By Juliane Rahmel  -  Nov 3,   2020

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Die voranschreitende Digitalisierung betrifft mittlerweile alle Unternehmensbereiche und auch Bereiche unseres alltäglichen Lebens in besonderem Maß. Sie durchdringt sie alle Geschäftsbereiche und alle Branchen. Der sogenannte digitale Wandel ist der wesentliche Fortschrittsmotor unserer Zeit. Eine der vielen Lektionen, die wir schon jetzt aus dem Jahr 2020 ziehen können, ist, dass die Digitalisierung von Prozessen und Kommunikationswegen Unternehmen dazu befähigt, schneller auf die sich verändernden Rahmenbedingungen zu reagieren, agiler und dezentral zu arbeiten und damit wettbewerbsfähig zu bleiben. Dennoch ruft der Begriff “Digitalisierung” bei Vielen immer noch Assoziationen wie “Prozessoptimierung ist gleich Stellenabbau” oder “Benachteiligung der älteren Mitarbeiter” auf. Dieser Artikel beschäftigt sich näher mit diesem Phänomen und gibt Ihnen einen Überblick über gängige Meinungsbilder zur Digitalisierung in Deutschland.

 

Wie verändert sich die Arbeitswelt durch die Digitalisierung in Unternehmen? 

Nicht zuletzt durch die anhaltende Corona-Pandemie und die Konsequenzen für das Arbeitsleben weltweit hat sich die Art, wie wir zusammenarbeiten in den letzten Jahren stark verändert. Schlagworte wie “Digitale Transformation”, “Industrie 4.0”, “Internet of Things”, “Subscription Economy” und “Video-Calls” fallen in diesem Kontext häufig. Ein Rückwärtstrend zurück zu Schnurtelefonen, Faxgeräten, Unterschriftenmappe und Personalakte ist wohl nicht zu erwarten. Die Digitalisierung führt Unternehmen vielmehr in eine noch stärker vernetzte, kommunikative und umfänglich dokumentierte Zukunft, wie auch die Mitarbeiter. So ermöglicht eine gut aufgebaute IT-Infrastruktur zum Beispiel das dezentrale Arbeiten von Teams rund um den Globus oder auch im Home Office, ebenso können Mitarbeiter intern kürzer und schneller kommunizieren und größere Abstimmungswege zwischen den Abteilungen schneller überwinden.

 

Wenn Unternehmen auch ab 2021 noch wettbewerbsfähig bleiben wollen - auch als Arbeitgeber - müssen sie beginnen, Brücken zwischen ihrer Herkunft und Zukunft zu bauen, indem sie den digitalen Wandel ihres Unternehmens so gestalten, dass er als Transformation im positiven Sinne und nicht als Disruption mit negativen Folgen im Unternehmen wahrgenommen wird. Die Digitalisierung von internen Prozessen ist vor allem eine Herausforderung von Human Ressource oder der Personalabteilung. Dieser Change-Prozess sollte im Idealfall von kompetenten Partnern begleitet werden, damit alle Mitarbeiter optimal befähigt und ausgerüstet werden können, um sich an die neuen Arbeitsweisen zu gewöhnen. Dabei ist natürlich die Grundvoraussetzung eine entsprechende Offenheit im Management und bei den Mitarbeitern gegenüber dem “Neuen” und Digitalem. In diesem Zuge werden oftmals auch gängige Arbeitsabläufe überdacht, um sich noch effizienter aufzustellen. Durch die Digitalisierung von Geschäftsprozessen werden diese Prozesse so optimiert, dass uns die dadurch gewonnene Arbeitszeit neue Möglichkeiten schafft für Aufgaben und Themen, die sonst üblicherweise unter den Tisch fallen. Neben den optimierten Prozessen im Unternehmen gibt es zudem eine Reihe von Prozessen, die durch Digitalisierung und Automatisierung - die dadurch erstmals möglich ist - vollständig ersetzt werden können. Denken Sie zum Beispiel an die Unterschriftenmappe, mit der die Sekretärin zuvor wochenlang von Abteilung zu Abteilung gewandert ist, oder den Urlaubsantrag, der in einer solchen ebenfalls wochenlang auf seine Freigabe gewartet hat, oder auch die Reisekostenabrechnung, bei der man alle Belege einer mehrtägigen Reihe einzeln auf Papier aufkleben und in einer Excel-Tabelle zusammenführen musste. Wenn Sie von solchen lästigen, analogen Tätigkeiten weniger erledigen müssen, werden Sie mit ziemlicher Sicherheit am Ende des Tages deutlich zufriedener sein, weil Sie produktiver und wertschöpfend gearbeitet haben.

 

Wie Digitalisierung aus Sicht der Arbeitnehmer wahrgenommen wird

Laut einer Bertelsmann Studie glauben 85% einer befragten Gruppe aus 211 Experten, dass sich sowohl das Home Office bzw. die mobile Arbeitsweise zu einer alternativen Art des Arbeitens verfestigen wird. Die neu eingeführten Tools zur Überbrückung der räumlichen Distanz werden unsere Zusammenarbeit wohl auch zukünftig maßgeblich prägen. Bereits vor einigen Jahren entfachte sich durch diesen Wandel eine öffentliche Debatte über eventuelle Arbeitsplatzverluste und das Anhängen der älteren Generationen, für die zumeist eine Umstellung auf vollständig digitale Prozesse deutlich herausfordernder ist als für Digital-Natives oder Digital-Immigrants. Aus Erfahrungen der letzten Jahre lässt sich diese Angst vor der Arbeitslosigkeit jedoch nicht begründen. Vielmehr weist der digitale Wandel einen revolutionären Charakter auf, der neue Arbeitsplätze schafft und andere an die aktuellen Bedingungen unserer Zeit anpasst - so wie es auch bei der industriellen Revolution vor 100 Jahren war. Dass die Angst vor dem Digitalen, dem Neuen, als Vorbote für die Arbeitslosigkeit keinerlei Substanz hat, zeigte eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Für die Studie wurden 1.200 Personalleiter und Geschäftsführer von deutschen Unternehmen befragt. Es konnte darin abgeleitet werden, dass zwischen 2015 und 2017 62% der stark digitalisierten Unternehmen sogar zusätzliche Mitarbeiter eingestellt haben. 

 

85% der Experten glauben, dass sich Home Office/Remote Work als neue Arbeitsform etablieren wird.

 

Letztendlich hängt die Entwicklung auch von der Flexibilität der Beschäftigten ab und deren Potenzial, die komplementären Aufgabengebiete, die durch die Einführung neuer Technologien entstanden sind, zu übernehmen. Die Berufsbilder zeichnen sich durch einen ständigen Wandel aus, sprich die Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine verändert sich fortlaufend. Doch solange die Arbeitnehmer sich den verändernden Anforderungen anpassen können, müssen Technologien keinen Arbeitsplatzverlust herbeiführen. Daher ist es besonders wichtig, dass Unternehmen sich nicht ausschließlich mit den technischen Fragen dieses Change-Prozesses beschäftigen, sondern ihre Mitarbeiter entsprechend auf diesen Wandel vorbereiten und befähigen.

 

#digitalempowerment
= Maximizing personal potential through digital technology

 

Digitalierungsquote in Deutschland - Wie digital sind wir schon

Wie gut sich die Arbeitnehmer in Deutschland für eine digitale Zukunft vorbereitet fühlen, ist von Region zu Region unterschiedlich. Eine Studie von “Wer liefert was” befragte in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Kantar EMNID 1.000 Arbeitnehmer zum Thema Digitalisierung und Herausforderungen. Aus dieser Studie ergab sich, dass sich Arbeitnehmer im Westen Deutschlands mit 67% ausreichend ausgerüstet fühlen, während im Osten dies im Vergleich nur 57% bestätigen konnten. Darüber hinaus bewerten im Westen nur 17% und im Osten lediglich 7% ihren Arbeitgeber als gut vorbereitet für den technologischen Wandel. 

 

  Digital Readyness der Mitarbeiter Digital Readyness der Arbeitgeber
Westen Deutschlands 67% 17%
Osten Deutschlands 57% 7%

 

Gerade diese Gegenüberstellung lässt die Vermutung aufkommen, dass die Digitalisierungsstrategie in den Unternehmen der hier befragten Mitarbeitern wenig kommuniziert wird, sodass so ein schlechtes Bild vom Arbeitgeber entsteht, obwohl die eigene Bereitschaft und Fähigkeit um ein Vielfacher besser eingeschätzt wird.

Die Unterschiede des Digitalisierungsindexes lässt sich auch im Vergleich verschiedener Branchen erkennen. Die Studie “Digitalisierungsindex Mittelstand 2019/2020” von techconsult im Auftrag der deutschen Telekom befragte 2.095 kleine und mittelständische Unternehmen zu ihrem Entwicklungsstand und stellte jedoch fest, dass der Digitalisierungsgrad in allen Branchen im Vergleich zum Vorjahr angestiegen ist. Mittelständische Unternehmen erreichen nun 56 von 100 möglichen Punkten - ein Punkt mehr als im vorherigen Jahr. Es geht also vorwärts in Deutschland, wenn auch in kleinen Schritten.

Das Schlusslicht bilden momentan Dienstleistungsunternehmen mit einem Index von 51 Punkten und liegen somit im Branchenvergleich 5 Punkte unter dem Durchschnitt. Dies variiert jedoch abhängig von der Unternehmensgröße: Größere Unternehmen erreichen immerhin einen Index von 58 Punkten. Dienstleister wie Steuerberatungen, Rechtskanzleien, Agenturen, Immobilienverwalter und Handwerksbetriebe haben dann eine gute Chance im Digitalindex aufzusteigen, wenn sie die Digitalisierung auch in ihr Geschäftsmodell einbetten, so die Studie.

 


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Juliane Rahmel

Juliane ist seit Juli 2020 Senior Marketing Manager bei Circula und verantwortet damit auch das Content Marketing des Startups. Vorher hat sie als Beraterin und Strategin in Marketingagenturen zahlreiche Kunden in der B2B- und B2C-Kommunikation betreut.